Konzert mit Uraufführung «consolation/diffraction» von Matthias Renaud für Flöte, Klarinette und Klavier
Basel: Samstag 4. Februar 2012, 19.30 Uhr, Zunftsaal Schmiedenhof
Zürich: Samstag 11. Februar 2012, 19.30 Uhr atelier für musik und bewegung
Villmergen AG: 17. Februar 2012, 19 Uhr, Aula Schulhaus Hof
Eine halbe Stunde vor den 3 Konzerten gibt es eine Werkeinführung mit dem Komponisten Matthias Renaud
Programm:
Guillaume Connesson (*1970)
Techno-parade (2002) für Flöte, Klarinette und Klavier
Edison Denisov (1929 - 1996)
Sonate (1972) für Klarinette solo
George Crumb (*1929)
aus Makrokosmos (1972/73) für Klavier solo
Daniel Schnyder (*1961)
Sailing (1987) für Flöte solo
Matthias Renaud (*1983)
URAUFFÜHRUNG consolation/diffraction für Flöte, Klarinette und Klavier
contraire
consolation/diffraction ist eine Hommage an Franz Liszt, der 2011 200 Jahre alt geworden wäre. Nicht an den Komponisten von brilliantem Virtuosenfutter, auf den ihn viele zu Unrecht reduzieren (auch einige, die es eigentlich besser wissen sollten), sondern an den Neuerer Liszt, der in seinen letzten Lebensjahren noch im Vorbeigehen die Grundfesten der Tonalität erschüttert hat und damit zu einem der frühen Wegbereiter der Neuen Musik geworden ist.
„Diffraktion“ bezeichnet die Beugung von Wellen an einem Hindernis, in diesem Fall von Liszt-Material an meinen eigenen kompositorischen Methoden. Als Grundlage diente mir ein schlichtes, kurzes Klavierstück von Liszt, die Consolation Nr. 3 in Des-Dur (S. 172,3). Daraus habe ich einerseits melodische Elemente genommen und diese als kleine Einsprengsel in mein eigenes Material eingestreut, andererseits dient die Basslinie als Fundament für den Hauptteil von consolation/diffraction. Um diese mehr oder weniger klar erkennbaren Liszt-Elemente habe ich meine eigene Komposition herum gebaut. Das Liszt-Material habe ich dabei in seiner motivischen Gestalt kaum verändert, aber klangfarblich sandgestrahlt, so dass es gelegentlich noch in seiner ursprünglichen (Klavier-)Farbe auftaucht, manchmal aber auch zum fast tonlosen Luftgeräusch der Flöte reduziert wird, wie Scherben einer antiken Vase, die zwar im Laufe der Jahrhunderte abgeschliffen worden sind, aber immer noch klar erkennen lassen, was sie einmal dargestellt haben. Diese Scherben habe ich eingesammelt und unter Ergänzung von eigenem Material zu einer neuen Vase zusammengekittet, ohne dabei die stilistische Disparatheit zwischen Altem und Neuem glätten zu wollen. Als grösstes und noch vollständig intaktes Fundstück erscheint kurz vor Schluss auch noch Liszts Consolation in ihrer Originalgestalt im Klavier, ganz unverfremdet und vielleicht gerade deshalb besonders fremd. (Matthias Renaud)